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Smartphone-Kostenfallen: Vorsicht – teure Werbebanner!

Smartphone

Schon eine einzige Fingerberührung auf dem Smartphone-Bildschirm kann teuer werden: Hinter Werbebannern in Apps verstecken sich häufig Abofallen. Sie zielen häufig auf eine ganz bestimmte Nutzergruppe. Müssen die geforderten Entgelte gezahlt werden? Wie kann man sich wirksam vor diesen Kostenfallen schützen?
Mit vielen Anwenderprogrammen werden auch Daten der Nutzer gesammelt, um sie gezielt für Werbung und die Erstellung von Nutzerprofilen zu verwenden. Der Kunde wird gläsern. Wie kann er sich schützen?

Die Verbraucherzentrale Hessen informiert hierzu im VerbraucherFenster.



Kurzinfo

Smartphones – der Begriff steht für „intelligentes Telefon“ = Mobiltelefon mit umfangreichen, internetgestützten Funktionen – sind Mobiltelefone mit erweiterbaren Computerfunktionen. Die Erweiterungen können über einen in das Betriebssystem integrierten Laden (Shop/Store), der das Internet nutzt, beliebig und individuell vorgenommen werden. Diese Programme sind unter dem Namen Apps (für Applikation = Anwendung) bekannt. Als Eingabemöglichkeit hat sich der Touchscreen durchgesetzt; Zahlen- und Buchstabentastaturen gehören hingegen immer mehr der Vergangenheit an. Nach den ersten fest auf dem Smartphone installierten Anwendungen können sich Nutzer inzwischen sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Apps nach eigenen Wünschen herunter laden, wie Spiele, Navigationssoftware, Musik-Apps oder Nachrichtenprogramme. Schätzungen gehen von mehr als 11 Milliarden installierten Apps aus. Damit wird ein Umsatz von mehreren Milliarden Dollar erzielt (Stand: Ende 2010).

Viele der kleinen Programme werden durch Einblendungen von Werbebannern finanziert. Immer häufiger kommt es vor, dass Anbieter behaupten, durch einen Klick auf ein solches Banner oder die Umleitung auf eine Seite nach dem Klick sei ein Abonnementvertrag zustande gekommen. Diese Anbieter kooperieren mit den Mobilfunkanbietern, die zwar nicht direkt an dem Abovertrag beteiligt sind, aber die Telefonnummer des Nutzers an die Aboanbieter weitergeben und die Gebühren mit der Telefonrechnung einziehen. Wird die Kostenpflichtigkeit verschleiert oder ergibt sie sich erst aus dem Kleingedruckten, wird das bloße Tippen auf einen Werbebanner nicht als Erklärung zum Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrages gewertet werden können. Um solchen Missbrauch frühzeitig zu erkennen, sollte man seine Rechnungen regelmäßig zeitnah kontrollieren. Die jeweiligen Posten sollten dann beim Mobilfunkanbieter beanstandet und die Wirksamkeit des Vertrages bei dem Drittanbieter bestritten werden. Wurde das Geld bereits bezahlt, erfordert die Rechnungsreklamation jedoch meist einen langen Atem.

Das Herunterladen und damit die Installation der Anwendungsprogramme ist denkbar einfach gestaltet und bereiten meist auch dem Anfänger keine Schwierigkeiten. Trotz aller Euphorie und Möglichkeiten sollten jedoch die Gefahren durch die ständige Vernetzung und die oftmals unklaren Vertrags- und Datenschutzbestimmungen beachtet werden.     



Inhaltsverzeichnis

1   Allgemeines
2   Abofallen in Apps - Vorsicht "App-Zocke"!
3   Datenspuren überall
4   Tipps und Tricks für Nutzer
5   Weitere Informationsquellen



1   Allgemeines


Mit dem Aufkommen und Durchbruch des ersten Smartphones von Apple, dem iPhone, wurden auch Zusatzprogramme stark verbreitet, die das Grundbetriebssystem beliebig und individuell erweitern. Heute kann der Verbraucher mit einem Smartphone nicht nur im Internet surfen, Musik hören, Bücher und Zeitungen lesen, sondern auch Tickets für Veranstaltungen oder die Bahn kaufen, spielen, das Telefon als mobile Bordkarte für einen Flug nutzen und noch viel mehr erleben. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Mittlerweile sind allein in Deutschland mehr als 1.000 verschiedene Smartphone-Modelle auf dem Markt. Monatlich kommen neue hinzu, mit immer besseren Leistungen und Funktionen, mehr Speicher und höheren Geschwindigkeiten. Die zunehmende Vernetzung birgt allerdings auch Gefahren. Smartphones sammeln jederzeit und überall Daten, speichern und übermitteln diese teilweise ohne Wissen und Einverständnis der Nutzer.

Viele Apps werden über gezielt geschaltete Werbung finanziert. Nicht selten werden bei beliebten Anwendungen Werbebanner eingeblendet, die – wenn man nicht aufmerksam genug ist – direkt in die Kostenfalle führen können. Bei einem versehentlichen Fingerklick darauf merkt der Nutzer zunächst auch gar nichts. Doch ohne weitere Bestätigung oder Benachrichtigung findet er auf seiner nächsten Mobilfunkabrechnung „Beträge anderer Anbieter“ vor.
Die Sensibilisierung für diesen Themenbereich, aber auch für den bewussten und sparsamen Umgang mit persönlichen Daten ist deshalb wichtiger denn je.

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2   Abofallen in Apps – Vorsicht „App-Zocke“!


Apps für Mobiltelefone gibt es aus den verschiedensten Quellen. Beispielhaft seien hier die AppStores von Apple oder Googles Android Market genannt. Die Unternehmen stellen sicher, dass keine schädlichen Applikationen ihren Weg ins Angebot finden. Doch die Gefahren drohen nicht von den Apps selbst, sondern meist erst durch die so genannte In-App-Werbung. Wie bereits erwähnt, nutzen viele Apps Werbung zur Finanzierung ihrer Dienste. Die meisten Entwickler von Gratis-Apps beauftragen dafür einen Drittanbieter mit dem Schalten von Werbebannern in ihren Produkten. Wird ein Werbebanner eingeblendet, kann man durch einen unbemerkten Klick darauf bereits in der Abofalle landen. Über eine präparierte Internetseite wird die Rufnummer des Verbrauchers an den Anbieter übermittelt, der dann über die Mobilfunkrechnung plötzlich Beträge „anderer Anbieter“ in Höhe von 3 bis 60 Euro pro Monat berechnet.

Das Verfahren nennt sich WAP-Billing (WAP steht für Wireless Application Protocol) und wird immer häufiger für diese besondere Art der Abzocke missbraucht. Aus technischer Sicht eigentlich längst überholt, hat das WAP-Verfahren einen (aus Sicht der Abofallen-Steller) unschätzbaren Vorteil: Es übermittelt die Identifikationsnummer der im Mobiltelefon eingelegten SIM-Karte. Auf diese Art und Weise lässt sich die Identität des Nutzers problemlos herausfinden.


Beispiel:

Michael J. aus Bad Homburg, stolzer Besitzer eines iPhones, ist aus allen Wolken gefallen, als er auf der Monatsrechnung seines Mobilfunkanbieters einen Posten vorfindet, den er sich gar nicht erklären kann. Rund 15 Euro soll er für Leistungen eines schwedischen Unternehmens bezahlen. Angeblich habe er ein so genanntes WAP-Abonnement zum wöchentlichen Preis von 3,99 € abgeschlossen. Auf seine Anfrage beim Unternehmen teilte man ihm mit, dass man im Auftrag eines Telekommunikations-Dienstleisters abrechne, der seinerseits mobile Entertainment Produkte – wie zum Beispiel Klingeltöne, Bilder und Videos – anbiete. Diese Produkte werden über Werbeeinblendungen in unterschiedlichsten iPhone Apps angepriesen. Herr J. ist sich aber sicher, niemals ein Abo abgeschlossen zu haben. Deshalb verweigert er die Zahlung und hat seine Rechnung entsprechend gekürzt. Sein Mobilfunkanbieter droht nun mit Sperrung der SIM-Karte. Zu Recht?


Vertrag per Fingertipp?

Für die Frage der Wirksamkeit eines so genannten WAP-Abos gelten im Grunde die gleichen Voraussetzungen wie für Vertragsschlüsse im Internet. Grundsätzlich kann ein wirksamer Vertrag via Smartphone per Tastendruck geschlossen werden. Wird die Kostenpflichtigkeit allerdings verschleiert oder ergibt sie sich erst aus dem Kleingedruckten, wird das Klicken auf einen Werbebanner beziehungsweise das versehentliche Tippen auf ein dort befindliches Bestätigungsfeld nicht als Erklärung zum Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrags gewertet werden können. Auch nach Weiterleitung auf eine Internetseite, auf der vielleicht irgendwo am Ende die Preise und Laufzeiten für die Abonnements genannt werden, wird kein wirksamer Abo-Vertrag, der eine Kostenpflicht nach sich ziehen würde, abgeschlossen, da die Kosten und Laufzeiten klar und deutlich erkennbar sein müssen.

Werden jedoch die wesentlichen Vertragsbestandteile (Preis, Laufzeit, Kündigungsfrist etc.) transparent und verständlich in unmittelbarer Nähe des Bestellbuttons angezeigt, kann ein Vertrag wirksam zustande kommen. Dies ist bei den typischen Abofallen aber nur selten der Fall. Da es sich beim Vertragsschluss via Smartphone um gewöhnliche Fernabsatzverträge handelt, steht dem Verbraucher zudem ein Widerrufsrecht zu. Die Widerrufsfrist beträgt in aller Regel 14 Tage, kann in Einzelfällen aber auch länger sein. Wer nicht genau weiß, ob die Widerrufsfrist noch läuft, sollte sich schnellstmöglich rechtlich beraten lassen.

Sofern der Verbraucher seitens des Anbieters nicht ordnungsgemäß über dieses Recht informiert und belehrt worden ist, kann er den (vermeintlichen) Vertrag auch nach Rechnungsstellung noch (vorsorglich) widerrufen.


Tipp:

  • Ein wirksamer Vertragsschluss im Internet setzt voraus, dass die wesentlichen Vertragsinhalte klar und deutlich erkennbar sind und zur Verfügung stehen. Der Verbraucher muss – darauf basierend – wissentlich eine Vertragserklärung abgeben können.

  • Kontrollieren Sie Ihre Mobilfunkabrechnungen regelmäßig, so dass Sie ungewollte Abos oder Mehrwertdienste erkennen und sich rechtzeitig gegen in Rechnung gestellte Beträge wehren können.


Vorgehen gegen unberechtigte Forderungen

Sich gegen in Rechnung gestellte Beträge zur Wehr zu setzen ist nicht immer einfach – vor allem dann nicht, wenn bereits gezahlt wurde.

Die Abrechnung eines angeblich abgeschlossenen WAP-Abos sollte jedenfalls innerhalb von acht Wochen beanstandet werden. Sofern sich der Verbraucher keines Vertragsschlusses bewusst ist, sollte er gegenüber dem in der Rechnung ausgewiesenen Abo-Anbieter den Abschluss eines Abovertrages ausdrücklich bestreiten – dies möglichst nachweisbar, das heißt durch Einwurf-Einschreiben oder Einschreiben mit Rückschein. Zudem sollte hilfsweise und höchst vorsorglich auch der Widerruf des Vertrages und die Anfechtung wegen arglistiger Täuschung erklärt werden. Ebenso vorsorglich sollte der angebliche Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt werden. Das heißt, zunächst sollte man dem eigentlichen Abo-Anbieter mitteilen, dass man den Abo-Posten nicht bezahlt und die geltend gemachte Forderung nicht anerkennt – auch wenn dieser in der Regel (wie auch im oben genannten Beispiel) behaupten wird, er sei lediglich Vermittler.

Damit man seinem Geld nicht hinterher laufen muss, kann der Rechnungsbetrag um den streitigen Teil gekürzt werden und sodann der unstreitige Teil an den Mobilfunkanbieter überwiesen werden. Wurde der gesamte Rechnungsbetrag bereits vom Konto abgebucht, bleibt nur die etwas unbequemere Möglichkeit, den gesamten Betrag über die eigene Bank zurückbuchen zu lassen, um anschließend den unstreitigen Teil unverzüglich an den Mobilfunkanbieter zu überweisen. Der rechnungsstellende Mobilfunkanbieter ist nach Kürzung der Rechnung unbedingt schriftlich darüber zu informieren, welche Rechnungsposten mit dem überwiesenen Betrag beglichen werden sollen.

Eine Sperre der SIM-Karte ist nach diesem Vorgehen zwar grundsätzlich nicht zulässig, wird aber in der Praxis von den Anbietern häufig angedroht und manchmal auch tatsächlich durchgeführt.

Gegen eine Sperre müsste man sich dann mit gerichtlichen Schritten wehren, was meist die Einschaltung eines Rechtsanwaltes erforderlich macht. Gerade wenn es sich um kleinere Beträge handelt, sollte man aber sorgfältig zwischen Kosten und Aufwand abwägen und im Zweifel rechtlichen Rat einholen. Unter Umständen ist dann die sofortige Kündigung des vermeintlich geschlossenen Abos sinnvoller.

Auch kann bei einzelnen Mobilfunkanbietern eine Sperre der Drittanbieter veranlasst werden. So bieten beispielsweise die Mobilfunkanbieter Telekom und Vodafone kostenfrei an, das Inkasso generell für Drittanbieter sperren zu lassen. Bei anderen Anbietern – wie zum Beispiel E-Plus und o2 lassen sich hingegen nur einzelne (Dritt-) Anbieter sperren.

Wichtig:

Erfolgen nach dem einmal eingelegten Widerspruch Mahnungen durch ein Inkasso- oder Anwaltsbüro, so sollte der Verbraucher auch das Inkassounternehmen beziehungsweise die Anwaltskanzlei darüber in Kenntnis setzen, dass man sich bereits gegen die Forderung zur Wehr gesetzt hat. Dazu reicht es aus, wenn man eine Kopie des ursprünglichen Widerspruchsschreibens übersendet.

Wenn allerdings ein Mahnbescheid vom Gericht zugestellt wird, muss man unbedingt innerhalb einer Frist von zwei Wochen ab Zustellung des Mahnbescheides Widerspruch einlegen. Der Widerspruch ist schriftlich einzureichen, und zwar bei dem Gericht, das den Mahnbescheid erlassen hat. Ein Infoblatt, das dem Mahnbescheid beigefügt ist, erläutert dabei die notwendigen Eintragungen: Der Widerspruch muss enthalten, ob und in welchem Maße der Schuldner der Forderung widersprechen will. Ist die geltend gemachte Forderung gänzlich unberechtigt, genügt es in der Regel, den Passus „Ich widerspreche der Forderung insgesamt“ anzukreuzen.

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3   Datenspuren allüberall


Die vielen Apps sammeln Daten der Nutzer, die das in der Regel weder erfahren noch individuell steuern können: Wer nutzt was, wann, wo, wie oft? Der Nutzer wird zum gläsernen Kunden. Erfasst werden zum Beispiel Ort, Zeit und Häufigkeit von Programmnutzungen sowie SMS und gespeicherte Kontaktdaten. Dank GPS-Empfängern lässt sich etwa der Aufenthaltsort des Nutzers feststellen, die herunter geladenen Programme (z.B. Spiele) lassen zudem auf die besonderen Vorlieben der Nutzer schließen oder greifen gar auf das Telefonbuch des Besitzers zu. Die Unternehmen sammeln so viele Daten wie möglich über einzelne Personen und legen entsprechende Bewegungsprofile an. Ungefragt übermitteln Apps diese Daten an die Hersteller und Content-Anbieter (die Anbieter der jeweiligen Inhalte), um die gewonnenen Erkenntnisse zielgerichtet für Werbezwecke zu nutzen. Dies sollte jeder Smartphone-Besitzer und App-Nutzer wissen. Vor allem sollten die Anwender bewusst und so sparsam wie irgend möglich mit persönlichen Daten umgehen. Denn wer möchte schon ein gläserner Bürger sein und sich von Werbung zuschütten lassen? Wehren kann man sich kaum – oft hilft nur, die Apps konsequent nicht zu verwenden.


Tipp:

Nutzer sollten den Zugriff möglichst auf notwendige Informationen beschränken. Benötigt ein Spiel tatsächlich den Zugriff auf sämtliche SMS und Kontaktdaten, die anschließend an Dritte weitergegeben werden – oder sollte man nicht besser auf die Nutzung der App verzichten?  

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4   Tipps und Tricks für Nutzer


Bevor eine App herunter geladen wird, sollte man sich mittels der Beschreibung und anhand von Nutzerbewertungen im Internet über Nutzen und Risiken informieren. Damit lässt sich potenziell unbrauchbare Software herausfiltern. Die große freiwillige Nutzerbeteiligung erzeugt damit eine jederzeit abrufbare Rangliste. Informiert und aufgeklärt sein schützt vor unnützen Programmen und Frust.

Viele Programme sind in einer meist kostenfreien „Light“-Version verfügbar. Diese soll die Nutzer zunächst zum Testen animieren, damit sie anschließend die Vollversion erwerben. Man muss allerdings beachten, dass diese Testversionen teilweise sehr eingeschränkt sind.

Die Betriebssoftware ermöglicht vielerlei Einstellungen, mit denen die Sicherheit erhöht werden kann. Diese sollte man gegebenenfalls nutzen. Nähere Informationen sind regelmäßig in der jeweiligen Gerätebeschreibung zu finden. Auch empfiehlt es sich, stets die aktuelle Betriebssoftware zu verwenden. Die Updates werden regelmäßig von den Herstellern angeboten und sollten auch zeitnah nach Veröffentlichung auf dem Gerät installiert werden.

Schließlich empfiehlt es sich, die Bluetooth- und WLAN-Funktionen nicht permanent eingeschaltet zu halten. Das erhöht die Sicherheit, weil es Angriffe über die Funkschnittstellen unterbindet.

Fazit:

Apps haben sich mittlerweile als fester Bestandteil der mobilen Kommunikation etabliert und sind aus dieser nicht mehr wegzudenken. Das Herunterladen und damit die Installation der Anwendungsprogramme sind denkbar einfach gestaltet und bereiten auch Anfängern in der Regel keine größeren Schwierigkeiten.

Trotz aller Euphorie und der Vielfalt an Möglichkeiten sollten jedoch die Gefahren durch die ständige Vernetzung und die oftmals unklaren Vertrags- und Datenschutzbestimmungen der Anbieter beachtet werden.

Übrigens: Ende August 2011 hat das Bundeskabinett einen Regierungsentwurf zur Bekämpfung von Abo- und Kostenfallen im Internet beschlossen. Dieser beinhaltet auch die so genannte „Buttonlösung“. Bei kostenpflichtigen Onlineangeboten müssen Unternehmer künftig Preis, Lieferkosten, Mindestlaufzeiten sowie wesentliche Merkmale der Ware oder Dienstleistung unmittelbar vor der Bestellung klar und verständlich anzeigen. Ein Vertrag kommt demnach nur dann zu Stande, wenn der Verbraucher mit seiner Bestellung ausdrücklich per Klick bestätigt, dass er sich zu einer Zahlung verpflichtet. Dieser „Bestell-Button“ muss unmissverständlich und gut lesbar auf die Zahlungspflicht hinweisen. Die Neuregelung soll für alle Bestellungen von Waren oder Dienstleistungen auf Online-Plattformen im Internet gelten – sei es über den heimischen Computer, das Smartphone oder einen Tablet-PC. Im Zweifel müssen die Unternehmen beweisen, dass ein Vertrag rechtsgültig zustande gekommen ist. Die Plage des Unterschiebens von Verträgen sollte damit endlich eingedämmt werden können. Der Regierungsentwurf wurde über den Bundesrat dem Deutschen Bundestag zur Beratung zugeleitet.

Parallel zum deutschen Gesetzgebungsverfahren hat sich das Bundesjustizministerium erfolgreich für die Aufnahme einer Buttonlösung in die künftige europäische Verbraucherrechterichtlinie eingesetzt. Das Europäische Parlament hat die Richtlinie am 23. Juni 2011 in erster Lesung beschlossen.

Ein aus Sicht der Verbraucherzentralen kritischer Angriffspunkt in Sachen Abofallen sind nach wie vor Smartphones. Smartphones können ein Schlupfloch für Abzocker sein, das konsequent geschlossen werden muss. Die Gefahr lauert vor allem dann, wenn Abofallenbetreiber ein Werbebanner schalten und über diesen Weg an die Mobilnummer der Nutzer kommen. Ein Klick auf ein Werbebanner kann dann dazu führen, dass unseriöse Anbieter über den Telefonprovider Beträge für eine fiktive Dienstleistung in Rechnung stellen und einfach vom Konto der Mobilfunknutzer abziehen (sogenanntes Wap-Billing – siehe Kapitel 2).

Dies wäre beispielsweise im Zuge der derzeit im Bundestag beratenen Novelle des Telekommunikationsgesetzes einfach zu beheben, indem Nutzer die Möglichkeit bekommen, bei ihrem Telefonprovider die Einziehung von Forderungen Dritter über die Telefonabrechnung aktiv "freizuschalten". Momentan bieten lediglich zwei Mobilfunkprovider ihren Kunden eine Sperrmöglichkeit an.

Der Schutz von Smartphone-Besitzern vor Abzocke durch Werbebanner ist auch Gegenstand des hessischen 12-Punkte Aktionsplans Verbraucherschutz, den das Hessische Ministerium für Umwelt, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV) Ende Juni 2011 vorgestellt hat.

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5   Weitere Informationsquellen

Informationen im VerbraucherFenster Hessen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung zu Verbraucherrecht montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.

  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter 0180 5 972010. 0,14 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunk maximal 0,42 € pro Minute.

  • Internetseite: http://www.verbraucher.de/ 

  • Verbraucherinfos/Ratgeber:
    Ausführliche Informationen zum Datenschutz im Alltag bietet der Ratgeber „Meine Daten gehören mir“ . Den 200-seitigen Ratgeber gibt es zum Abholpreis von 9,90 € in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen. Für zusätzlich 2,50 € bei Einzelversand, also für insgesamt 12,40 €, kommt er – mit Rechnung – auch ins Haus.
    Bestellungen an:
    Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße 70, 40225 Düsseldorf
    Bestell-Telefon: (0211) 38 09 - 555
    Bestell-Fax: (0211) 38 09 - 235
    E-Mail: ratgeber@vz-nrw.de

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Verfasser:

Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt im Auftrag des VerbraucherFensters Hessen, November 2011.

Bild:  Scanrail - Fotolia.com

Letzte Aktualisierung: 30.07.2013